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  • Bernd Krehoff

Warum agile Projektleiter keine gute Idee sind - die drei Rollen in Scrum

Unter den verschiedenen agilen Rahmenwerken erfreut Scrum sich nach wie vor großer Beliebtheit (siehe z.B. die “Status Quo Agile“ Umfrage der Hochschule Koblenz). In diesem Beitrag werden wir die drei Rollen in Scrum betrachten und sie von den Rollen in einer Projektorganisation abgrenzen.


Die Projektorganisation - Matrix plus Hierarchie


In den vor-agilen Zeiten der 90er Jahre war die Projektorganisation die dominante Struktur, um Entwicklung zu organisieren. Die Projektorganisation zeichnet sich vor allem durch zwei Merkmale aus:


  1. Matrix: Mitarbeiter haben zwei Zugehörigkeiten. Zum einen sind sie einem Projekt zugeteilt (horizontale Linie). Zum anderen gehören sie einem Team an (vertikale Linie). Während Projekte - per Definition - zeitlich begrenzt sind, ist die Zugehörigkeit zu einem Team dauerhaft.

  2. Hierarchie: Mitarbeiter sind in zweifacher Hinsicht in eine Hierarchie eingebettet. Im Projekt unterstehen sie dem Projektleiter. In ihrem Team sind sie dem Teamleiter untergeordnet. Soll ein Mitarbeiter in einem Projekt arbeiten, müssen Projektleiter und Teamleiter darüber verhandeln.



Agile Teams - weder Matrix noch Hierarchie


Seit den späten neunziger Jahren haben Unternehmen zunächst in der Softwareentwicklung, dann über alle Branchen hinweg angefangen, mit Scrum als agiler Methode ihre Organisationsform zu verändern.


An die Stelle der Matrix aus der Projektorganisation traten agile Teams. Wer Mitglied in einem solchen agilen Team ist, hat nur noch eine Zugehörigkeit - das agile Team. Und im agilen Team gibt es keine Hierarchien, sondern vielmehr drei Rollen mit klar abgegrenzten Funktionen:


  • Der Product Owner. Seine Verantwortung liegt darin, das richtige Ding zu bauen. Der Product Owner kümmert sich darum, ein Produkt mit Daseinszweck („Purpose“) zu entwickeln.

  • Das Entwickungsteam. Verantwortung: Das Ding richtig (auf die richtige Weise) zu bauen. Das Entwicklungsteam muss Dinge wie Qualität und Skalierbarkeit im Auge behalten. Daher ist das technische Können (Mastery“) wichtig.

  • Der Scrum Master (oder agile Coach) ist schließlich für die Geschwindigkeit verantwortlich. Er räumt die Hindernisse aus dem Weg und sorgt für effiziente Arbeitsabläufe, die dem Team selbstorganisiertes Arbeiten („Autonomy“) ermöglichen.



„Verpatzt“ eine dieser drei Rollen ihre Verantwortung, hat die Produktentwicklung ein gewaltiges Problem. Spielen wir die Failure-Szenarien durch:


  • Schwachstelle Product Owner: Das Produkt hat gute Qualität und ist schnell entwickelt worden, aber keiner braucht es. Beispiel: Amazons Fire Phone.

  • Schwachstelle Entwicklungsteam: Das Produkt wird am Markt nachgefragt und ist auch schnell entwickelt worden, aber die Qualität ist schlecht.

  • Schwachstelle Scrum Master oder agile Coach: Das Produkt wird am Markt nachgefragt und läuft stabil, doch es kommt zu spät an den Markt.

Alle drei Rollen müssen also zusammen spielen, damit ein Produkt erfolgreich ist. Keine der Rollen ist dominant - es gibt keinen „Leiter“. Vielmehr herrscht Arbeits- und Gewaltenteilung, wie wir es auch von demokratischen Staatsformen her kennen (Legislative, Judikative und Exekutive).


Kurzum: Jede Rolle hat eine eigene, exklusive, Kompetenz, welche die Kompetenzen der anderen Rollen ergänzt.

Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass diese agile Form der Arbeitsteilung in Unternehmen eine ziemliche Herausforderung sein kann. Wer noch gewohnt ist, Erfolge und Misserfolge an einer einzelnen Rolle (typischerweise dem Projektleiter) festzumachen, wird bei einem agilen Team vergeblich nach Äquivalenzen suchen.


Umso wichtiger ist es, dass ein agiles Team die „generalistischen“ Kompetenzen von gutem Projektmanagement lernt und verinnerlicht. Jeder im Team sollte die Kommunikations- und Koordinationsaufgaben wahrnehmen können, die für die Zusammenarbeit mit Schnittstellen ausserhalb des Teams nötig sind.


Diese - und weitere! - Kompetenzen im Team aufzubauen und abzusichern, ist eine Führungsaufgabe, die im Bild oben von der Figur im linken Feld wahrgenommen wird. Das zu besprechen ist jedoch Stoff für einen weiteren Beitrag.

Auch interessant: Agile Product Ownership in a Nutshell. Video von Henrik Kniberg (englische Sprache), in dem er den Scrum-Zyklus und die Verantwortungen der verschiedenen Rollen erklärt.









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